Der Astronauten – Kater

Teil 1

In einer fernen Zukunft

Jahrhunderte, nachdem die Menschen und Tiere einander endlich zu verstehen gelernt hatten, wuchs ein kleiner Kater heran, dessen Herz von einem großen Traum erfüllt war. Nichts wünschte er sich sehnlicher, als Astronaut zu werden und zur großen internationalen Forschungsstation auf den Mars reisen zu dürfen, die man dort in mühevoller Arbeit im Laufe der Zeit aufgebaut hatte. Doch gab es dabei ein wesentliches Problem. Nämlich jenes, dass noch nie ein Tier ausgewählt worden war, welchem die Ehre zuteilgeworden wäre, Teil dieser Mission zu werden.

Trotz dieser Tatsache ließ sich der kleine Kater nicht beirren. Nachdem er erwachsen geworden war, machte er sich eines Morgens auf direkten Weg zur nächstgelegenen Außenstelle der größten Raumfahrtgesellschaft der Welt. Er blendete die zig tausend Menschen aus, die sich im großen, aus Glas erbauten Atrium des Unternehmens versammelt hatten, marschierte zu einem Schalter und verlangte ein Anmeldeformular für die Ausbildung zum Astronaut.

Die Mitarbeiterin dahinter war zu verwundert über sein Erscheinen, um ihm die Bitte zu verwehren, meinte aber bedauernd: »Ich gebe deine Bewerbung gerne weiter, aber ich fürchte, du hast keine Chance. Zwar ist es nicht eindeutig untersagt, dass Tiere sich bewerben, doch hat man sich noch nie dazu entschlossen eines mitzunehmen.« Der Kater aber lächelte nur und bedankte sich höflich für ihre Hilfe.

Warten auf das scheinbar Unmögliche

Wochen vergingen, bis der Kater endlich die lang ersehnte Rückmeldung erhielt. Zu seinem Glück, wurde ihm mitgeteilt, dass er in das Ausbildungsprogramm zum Astronauten aufgenommen worden war. Ohne zu zögern, reiste er zum Schulungszentrum des Raumfahrtunternehmens, wo das harte Training für die Reise in das Weltall beginnen sollte.

Die Tests und Übungen gestalteten sich jedoch schwieriger, als gedacht. Denn die meisten Bereiche der Ausbildung zum Astronaut verlangten deutlich mehr Körperkraft, als ihm zu eigen war. Aber auch in anderen Teilen konnte er nicht punkten. So war es ihm unmöglich Behälter zu öffnen, Maschinen zu warten oder Pläne zu zeichnen, da seine Tatzen über keine Daumen verfügten. Zudem machte dem Kater seine geringe Größe zu schaffen, durch die er häufig übersehen und mehrmals sogar beinahe zerquetscht worden war. Doch er hielt durch. Mit der Zeit lernte er seine Schwächen zu ignorieren und immer das Beste aus einer schwierigen Situation herauszuholen.

Ein tierischer Astronaut?

Nur die Leitung des Raumfahrtunternehmens galt es noch zu überzeugen. Als der Kater es in die letzte Runde des Ausbildungsverfahrens geschafft hatte, sollte er vor einer Kommission erklären, weshalb er unbedingt auf den Mars reisen wollte.

»Ich will zeigen, dass auch für uns Tiere nichts unmöglich ist und wir ebenso wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sind, wie ihr Menschen. Denn auch wir können unseren Beitrag zum Dienst an der Allgemeinheit leisten, wenn ihr es zulässt, werden wir es euch beweisen. Selbstverständlich sind auch wir nicht von Schwächen gefeit, aber können wir das durch unsere zahlreichen Stärken ohneweiters ausgleichen. Einzeln betrachtet ist jeder von uns allein. Aber bedenkt bloß, welche noch unbekannten Wunder wir gemeinsam erschaffen könnten, wenn wir unsere Kräfte vereinen.«

Darauf wussten die versammelten Menschen nichts zu sagen. Nach einer Weile begannen sie einstimmig in die Stille des Raumes hinein zu applaudieren.

Astronaut wieder Willen

Die Mission rückte näher und der Kater wurde offiziell ein Teil der Crew. Er erhielt einen eigens auf ihn angepassten Raumanzug und fand sich schon kurz darauf im Inneren des Raumschiffs wieder. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und das Adrenalin pumpte wild durch seine Adern, als das Startsignal ertönte und die Triebwerke zu voller Leistung hochfuhren. Im nächsten Moment schossen der Kater und seine Kollegen in den Himmel. Immer weiter hinauf flogen sie, vom Schub in ihre Sitze gepresst. Der Kater lachte vor Freude, als sie die Erde langsam hinter sich ließen und in die unendliche Dunkelheit des Alls vordrangen.

Ankunft am Mars und erste Schritte

Der Flug dauerte dank der hochentwickelten Technik nur wenige Stunden. Die Spannung zerriss den Kater beinahe, als das Raumschiff endlich zur Landung ansetzte. Am Landedock erwartete sie bereits die Bodencrew, von der sie herzlich begrüßt wurden und die sie in die neue Arbeits- und Wohnumgebung einführte. Für die Bedürfnisse des Katers war vorab gesorgt worden. So hatte man ihm ein eigenes Zimmer mit Kratzbaum, Katzenklo und Körbchen hergerichtet, was ihn beinahe zu Tränen rührte. Auch hatten sie es bewerkstelligt, dass er an jedes Laborgerät herankam, ohne viel dafür tun zu müssen.

»Hier lässt es sich aushalten.«, dachte er glücklich.

Kurze Zeit später teilte man ihm seine erste Aufgabe zu, eine Erkundungsfahrt mit dem Marsrover. Die Menschen hatten eigens für ihn einen Sitz darauf montiert, wodurch er die Landschaft ohne Schwierigkeiten durchqueren konnte. Tagelang durchstreifte er auf diese Weise den roten Planeten, fuhr durch kilometerweite Sandwüsten, erklomm hohe Berge und durchquerte tiefe Schluchten. Fachkundig zeichnete er seine Erlebnisse auf, bevor er schließlich völlig verstaubt und erschöpft, aber immer noch motiviert, zur Forschungsstation zurück.

»Ausgezeichnete Arbeit. Tatsächlich hat noch nie jemand bessere geleistet. Vielleicht sollten unsere Chefs darüber nachdenken, in Zukunft öfter Katzen als Astronauten einzusetzen.«, lobte ihn der Forschungsleiter, was den Kater unheimlich schmeichelte.

© K.ST.

– Fortsetzung folgt-

Der nächste Teil folgt am 16. Oktober 2022!

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