Der Mäusefänger – Teil 2

Was zuletzt geschah:

Ein kleiner Kater zeigte sich bei der Jagd als sehr talentiert und fand in ebendieser seine Berufung, als er älter wurde. Nachdem er einen Müller half, der in arge Not geraten war, wurde er aus diesem Grund zum Mäusefänger. Durch seine Schnelligkeit und sein Geschick schaffte es der Kater beinahe ohne Mühe die Nager zusammenzutreiben und in die Flucht zu schlagen. Überglücklich darüber, seinen Lebenszweck gefunden zu haben, ging er der Mäusejagd nach, bis erste Zweifel über die Richtigkeit seines Tuns ihn befielen. Auf einem Bauernhof konfrontierte ihn ein einzelner Mäuserich mit Vorwürfen, die den Kater nachhaltig beschäftigten. Verstärkt wurde sein Unwohlsein, als er für einen Kaufmann die Mäuseplage in einem seiner Lagerhäuser bereinigen sollte. Während fast alle Nager flohen, blieb erneut eine Maus zurück und rührte sich nicht von der Stelle.


Die zweite Zurückweisung (2. Teil)

„Was tust du noch hier, wo doch alle anderen bereits auf und davon sind? Willst du nicht hinterher?“, fragte der Mäusefänger den Zurückgebliebenen verwirrt. „Ich bin zu schwach dazu. Leider habe ich nur noch wenig Zeit auf dieser Welt, bevor ich sterbe. Lass sie mich an diesem Ort verbringen. Ich werde auch niemanden zur Last fallen.“, bat der Nager eindringlich. Wie schon einmal legte der Kater den Kopf schief und dachte über die Worte des Anderen nach. „Gerne will ich dir glauben. Doch obwohl ich Mitleid mit dir habe, muss ich dich auffordern zu gehen. Denn wenn ich einem von euch erlaube zu bleiben, würden alle übrigen es ebenso verlangen. Das kann ich nicht zulassen.“, sprach er nach einer Weile des Schweigens traurig. Die alte Maus nickte bedauernd. „Dann sei so nett und hilf mir nach draußen. Alleine schaffe ich es nicht.“, entgegnete das Tier sachlich, was der Kater gerne tat. Als seine Aufgabe erledigt war, suchte er den Kaufmann auf, der sich herzlich bei ihm bedankte. Doch der Mäusefänger fühlte sich dadurch nicht besser. Noch in derselben Nacht verfolgten ihn zum ersten Mal grässliche Albträume, die ihn immer wieder weckten und vor die Frage stellten, ob sein Tun richtig gewesen war.

Die dritte Zurückweisung

Am nächsten Morgen weckte den Kater die hysterische Stimme einer Frau. „Ach, da bist du ja. Du musst unbedingt etwas unternehmen. Mein Gasthaus wird von Mäusen heimgesucht, weshalb kein Gast mehr bei mir essen will. Wenn du mir nicht hilfst, verliere ich alles.“, weinte sie erschüttert. „Selbstverständlich komme ich deiner Bitte nach. Auf der Stelle.“, beruhigte sie das Tier und ließ sich zum Ort des Geschehens führen, wo er sich ohne Umschweife an die Arbeit machte. Wie üblich verbannte er sämtliche Nager schnell und effizient aus dem Haus. Erst am Schluss fiel ihm auf, dass eine Maus trotz seiner Bemühungen geblieben war. Diese kam nun äußerst zornig auf ihn zu und schrie: „Mit welchem Recht verjagst du uns von hier? Wir haben niemanden ein Leid angetan. Die Menschen merken noch nicht einmal, dass wir da sind.“ „So? Warum hat dann die Wirtin keine Gäste, wenn nicht eure Anwesenheit daran schuld ist?“, hielt der Mäusefänger ebenso wütend dagegen. Da lachte die Maus gehässig. „Das liegt daran, dass das Essen, das sie anbietet, ungenießbar ist und der Preis viel zu hoch ist. Doch statt die Schuld bei sich zu suchen, schiebt sie sie lieber auf uns.“, antwortete der Nager.

Der Kater starrte seinen Gegenüber eine Weile stumm an, bevor er sprach: „Ich verstehe was du meinst. Vermutlich hast du damit Recht. Bleiben kannst du aber trotzdem nicht. In den Häusern der Menschen habt ihr nichts zu suchen.“ „Aber das ist ungerecht. Wir brauchen doch auch ein Dach über dem Kopf. Wo sollen wir es denn sonst suchen, wenn nicht bei ihnen? In der Wildnis sind wir leichte Beute für jedermann, sodass wir dort nicht überleben können.“, schluchzte die Maus niedergeschlagen, als sie merkte, dass der Kater nicht nachgeben würde.

Der Mäusejäger fühlte sich schrecklich. Er begriff, dass die Situation für alle untragbar war. Einerseits erlitten die Menschen unter dem ernsthaften wirtschaftlichen Schaden, den ihnen die Nager einbrachten, wenn sie sich ungefragt in deren Häuser einquartierten. Andererseits waren die Mäuse dazu gezwungen, da sie sonst keine Chance auf ein Leben in Ruhe und Frieden hatten. Plötzlich lächelte der Kater wissend. Die Lösung war im Grunde sehr einfach zu finden. Also überredete er die Maus das Haus schließlich doch zu verlassen, ihre Artgenossen zu suchen und vor der Stadt zu versammeln.

Die Lösung und das Ende des Mäusefängers

Die Menschen staunten nicht schlecht, als sie bemerkten, dass sich vor dem Stadttor zahlreiche Nager versammelt hatten. Viele fürchteten sich derart vor den Tieren, dass sie zu den Waffen griffen. Nur das Wort des Katers hielt sie vor einer großen Dummheit zurück. Nachdem er ihnen aber erklärt hatte, was er vorhatte, versprachen sie ihm sogar bei seinem Vorhaben zu helfen. Sie holten Nahrung und Werkzeug und schlossen sich dem Mäusefänger an. Verwundert folgten auch die Mäuse dem Kater, der sie in den nahegelegenen Wald führte, wo sie an einer zugewachsenen Lichtung hielten. „Wozu hast du uns an diesen Ort geführt?“, fragten sie ihn neugierig, da sie die Antwort nicht erahnen konnten. „Weil es euer neues Zuhause sein wird. Die fleißigen Städter sind mitgekommen, um euch Häuser zu bauen, in denen ihr friedlich leben könnt.“, sprach der Mäusefänger daraufhin lächelnd. „Ehrlich? Ein Heim für uns ganz alleine?“, wollten die Nager aufgeregt wissen, was der Kater bejahte.

Zusammen machten sich Menschen und Tiere ans Werk, sodass die Arbeit in Windeseile abgeschlossen war. Die Waldlichtung erstrahlte im neuen Glanz. An die Stelle der wild wuchernden Pflanzen waren unzählige kleine Häuschen getreten, in denen es den neuen Besitzern an nichts fehlte. „Hab Dank, Mäusefänger. Ohne dich wäre dies alles nicht möglich gewesen.“, meinte die Nager zum Abschied und verbeugten sich dankbar vor dem Kater. Dieser schüttelte jedoch entschieden den Kopf. „Ein Mäusefänger war ich einst. Jetzt habe ich eine neue Bestimmung gefunden. Überall wo ich künftig hinkomme, werde ich eure Artgenossen um mich herum versammeln und sie zu euch führen, sodass ihr alle gemeinsam zusammenleben könnt. Wenn hier kein Platz mehr ist, dann werde ich für neuen sorgen.“, sprach er dann feierlich, wofür er allgemein gefeiert wurde. „Demnach bist du nun ein Mäuseführer?“, wollte die Menge von ihm wissen, was er bestätigte.

Und genau so kam es. In den nächsten Jahren sorgte der Kater dafür, dass jede in Not geratene Maus den Weg zum Dorf seiner Artgenossen fand, dass mit der Zeit immer größer wurde. Als er sich schließlich zur Ruhe setzte, übergab er seine Berufung seinen Söhnen und Töchtern, die dieser begeistert nachkamen. Denn genau wie der ehemalige Mäusefänger hatten auch sie verstanden, dass jedes Wesen das Recht auf ein glückliches Leben in Sicherheit und Harmonie besaß. Auch wenn es sich dabei um die noch so kleinste und unbedeutendste Maus handelte.

© K.ST.

Ein Langhaarkater liegt auf einem Fensterbrett und schaut treuherzig in die Kamera. Untertitelt ist das Bild mit dem Text: Ein Mäusefänger aus dem realen Leben, Copyright: K.ST.
Ein Mäusefänger aus dem realen Leben, © K.ST.

Fabel.tastische Randnotiz:

Und erneut ist eine Geschichte mit einer Katze als Hauptfigur beendet. Was soll ich sagen? Ich mag Katzen 🐈 einfach unglaublich gerne, weshalb ich sie gerne in meine Plots einbaue. Ihr werdet demnach noch viele Geschichten über diese Tiere lesen. 😁

Die größte Inspiration finde ich wohl bei meinem eigenen Kater, den ihr auf dem Bild sehen könnt. Tatsächlich steht er mir sehr häufig „Modell“, was er aber gerne tut, da er immer ein oder mehrere Leckerlis dafür abgreift. Also keine Sorge – er wird von mir zu nichts gezwungen, was er nicht freiwillig mitmachen will.

Genauso gerne wie die Geschichte, habe ich auch das Bild gemalt. Besonders die Mäuse haben es mir angetan. Beim Zeichnen musste ich immer wieder an den Film „Mäusejagd“ aus dem Jahr 1997 denken, den ich einfach großartig finde und bei dem auch eine Katze dazu eingesetzt wird, eine Maus zu jagen (was nicht besonders gut für sie ausgeht, im Gegensatz zum Kater in meiner Geschichte). Hm…ich glaube ich weiß schon, welchen Film 📽🎞 ich mir demnächst wieder einmal ansehen werde.

Zur Geschichte gehört selbstverständlich das Zitat der Woche – Woche 18. Und auch wenn ich mit der Aussage des Autors von ebendiesem nicht übereinstimme, hat es mich doch auf die Idee gebracht, diese Geschichte zu schreiben. Neugierig? Dann seht es euch an. Es ist im Menü unter >>Zitat der Woche<< für euch hinterlegt.

Wenn euch die Kurzgeschichte gefallen hat, könnt ihr sie gerne „liken“ und/oder einen Kommentar dazu am Blog oder auf Social Media (Instagram: fabel.tastisch, Facebook: Fabel.tastisch) hinterlassen. 📣💗📧

Viel Spaß noch am Blog, bleibt gesund und bis bald,

Eure Kerstin von fabel.tastisch

Veröffentlicht von Kerstin Steinbrecher

In diesem Blog werden Kurzgeschichten in Form von Fabeln und dazu passende Illustrationen veröffentlicht. Gergänzt werden diese durch das Zitat der Woche. Gerne könnt ihr die Geschichten liken, teilen und kommentieren . Auch auf Facebook (unter: Fabel.tastisch) und auf Instagramm (unter: fabel.tastisch), bin ich zu finden.

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